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...Möglich macht all dies das neue DIGITAL RADIO-System, auch bekannt als DAB (Digital Audio Broadcasting). Auf der Internationalen Funkausstellung
1997 in Berlin fiel der offizielle Startschuß für das digitale Rundfunksystem, Mitte diesen Jahres werden dann die ersten Empfänger von allen namhaften Herstellern im Handel erhältlich sein.
DAB wurde seit Anfang der achtziger Jahre entwickelt, um langfristig UKW abzulösen. Kein Wunder: Mit Features wie Stereoempfang, ARI, RDS und jüngst TMC
ständig erweitert, hat das UKW-System inzwischen seine Grenzen erreicht. Das Frequenzband von 87 bis 108 MHz ist randvoll, und vor allem beim Mobilempfang sind Störungen, lästiges Knacken und Rauschen an der
Tagesordnung.
Mit DIGITAL RADIO gehört dies der Vergangenheit an. Das System bietet stets gleichbleibend guten Klang in CD-naher Klangqualität und nutzt das vorhandene
Frequenzspektrum wesentlich effizienter als UKW – sprich: langfristig können mehr Programme ausgestrahlt werden.
Die Digitaltechnik bietet aber noch einen weiteren Vorteil: Übertragen werden ja eigentlich nur die berühmten 'Nullen' und 'Einsen', also reine
Zahleninformationen. Diese Nullen und Einsen können nun ein Radioprogramm darstellen, genauso gut aber auch einen Text, eine Grafik – oder ein Computerprogramm. Bei DAB nutzt man dies, um eben neben den
Hörfunkprogrammen sogenannte programmbegleitende Informationen (auch PAD, Programme Associated Data) auszustrahlen oder auch völlig unabhängige Datendienste, etwa in Form von HTML-Seiten, wie sie aus dem World Wide
Web bekannt sind.
Neben Infos zum aktuell laufenden Musiktitel oder Nachrichten-Schlagzeilen sind aktuelle Verkehrsnachrichten sicherlich prädestiniert für DAB-Datendienste. Im
Rahmen von Pilotprojekten, die seit 1995 in zehn Bundesländern laufen, wurden entsprechende Dienste umfangreich erprobt. So strahlt der Südwestfunk in Baden-Württemberg Meldungen über Verkehrsstörungen auch als
grafisch aufbereiteten Dienst aus, ähnlich den Staukarten, wie sie aus dem Frühstücksfernsehen bekannt sind.
Der WDR hat einen eigenen Verkehrskanal auf DIGITAL RADIO gestartet: VERA heißt dieses Projekt, die vier Buchstaben stehen für 'VErkehr in Real Audio'. VERA
nutzt eine weitere Eigenschaft von DAB: Die digitalen Angebote werden immer in Paketen von sechs oder sieben Programmen ausgestrahlt. Dabei benötigt ein hochwertiges Musikprogramm in Stereo etwa eine Datenrate von
192 kbit/s, VERA begnügt sich dagegen mit 64 kbit/s – gerade mal die Bandbreite eines ISDN-Kanals.
Auf VERA werden quasi nonstop per computergesteuerter Sprachausgabe alle vorliegenden Störungsmeldungen verlesen. Dazu hat eine Sprecherin einmal die Namen
sämtlicher Autobahnen und Anschlußstellen auf Festplatte aufgezeichnet, dazu mögliche Ereignisse wie 'Stau' oder 'zähfließender Verkehr' und schließlich auch die entsprechenden Längenangaben. Der Computer setzt nun
anhand der vorliegenden Daten diese 'Häppchen' zusammen und strahlt die entsprechende Meldung als Sprache aus. VERA ist aber noch mehr: Auf einem parallelen Datendienst werden die Störungen auch grafisch
dargestellt. Anders als die Kartendarstellung beim Südwestfunk hat man in Nordrhein-Westfalen ein Design gewählt, das sich eng an die Beschilderung auf den Autobahnen anlehnt. Damit lassen sich Staus in
Sekundenbruchteilen auf einen Blick erfassen. Dies ist natürlich vor allem im Auto wichtig, das Thema Verkehrssicherheit steht auch bei DIGITAL RADIO ganz vorne.
Der Bayerische Rundfunk hat im Januar in Zusammenarbeit mit dem ADAC mit seinem neuen Programm 'Bayern Mobil' ein ähnliches Projekt gestartet. Alle
zwanzig Minuten werden hier direkt aus dem Münchener Hörfunkstudio des Automobilclubs aktuelle Verkehrsstörungen gemeldet. Und die Besitzer eines digitalen Autoradios mit Datenbildschirm können sich zusätzlich
Stauinformationen grafisch anzeigen lassen – mit einem ähnlichen System, wie es der WDR verwendet.
Dabei kann der ADAC neben den Landesmeldestellen der Polizei auch auf eine eigene umfangreiche Infrastruktur zurückgreifen. So halten 43.000 Staumelder die
Münchener Zentrale über den aktuellen Verkehrsfluß auf dem Laufenden. Bis Ende 1999 sollen es bundesweit 90.000 Staumelder werden. Und sind die Informationen erst einmal im Rechner erfaßt, können sie für die
verschiedensten Zwecke genutzt werden: Meldungen im DAB-Datendienst, über RDS-TMC, 'normale' Verkehrsnachrichten im laufenden Programm oder auch weitere Angebote etwa im Internet oder Videotext. - Schon heute
sind aktuelle Verkehrshinweise und genaue TMC- (siehe TMC!) Verkehrsinfos z.b. zur Dynamisierung von Navigationssystemen der gewissenhaften, ehrenamtlichen Arbeit vieler Staumelder zu verdanken.
Doch diese Dienste sind nur der Anfang: Wenn die Sendernetze in zwei bis drei Jahren einmal flächendeckend geknüpft sind, wird DAB im Bereich der
Verkehrstelematik noch eine viel größere Rolle spielen. Ein Dienst, der ebenfalls bereits erprobt wird, ist das sogenannte D-GPS, das D steht für 'Differential'. Dabei werden neben den digitalen Radioprogrammen und
sonstigen Diensten die genauen Koordinaten des jeweiligen Senders sowie ein Differenzsignal zu dem bekannten satellitengestützten Global Positioning System ausgestrahlt. Mit dieser Information kann der Standort des
Fahrzeugs auf 1 bis 3 Meter genau bestimmt werden – das absichtlich 'unscharf' gehaltene GPS alleine bringt es nur auf eine Genauigkeit von bis zu 100 Metern.
Hier wird es künftig Schnittstellen zu Navigationssystemen geben. So kann nach einer per DAB-Datendienst übermittelten Störungsmeldung zum Beispiel anhand der
per DGPS ermittelten aktuellen Position des Autos und mit Hilfe des Kartenmaterials der Navigationssoftware eine individuelle Umleitungsempfehlung gegeben werden.
Und eine weitere nützliche Anwendung für DIGITAL RADIO ist in Verbindung mit den 'Travel-Piloten' denkbar: Diese Systeme haben ihr 'Wissen' in der Regel auf
einer CD-ROM gespeichert. Werden aber neue Straßen gebaut, Einbahnstraßen geändert, oder gibt es Baustellen auf der Autobahn, stoßen diese statischen Informationen an ihre Grenzen. Über den DAB-Datenstrom ließen
sich entsprechende Änderungen 'On Air' aktualisieren, so daß der elektronische Helfer im Auto immer auf dem aktuellsten Stand ist.
Zur Zeit ist erst ein Viertel der Fläche Deutschlands mit DAB-Sendern versorgt. Ähnlich wie bei den Mobilfunknetzen D1, D2 oder E-plus wird aber auch bei DAB
der Netzausbau zügig vorangehen, so daß in wenigen Jahren
eine flächendeckende Versorgung gewährleistet ist. Die neugegründete Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in Bonn wird voraussichtlich noch im März Lizenzen für den Betrieb der Sendernetze ausschreiben, und im Juli wollen die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg und Hessen bereits offiziell den Regelbetrieb aufnehmen.
Die DIGITAL RADIOs sind in der Einführungsphase noch verhältnismäßig teuer, doch mit dem Absatz größerer Stückzahlen werden die Preise – ähnlich wie bei der
Einführung des CD-Spielers – schnell sinken. In kurzer Zeit wird ein DAB-Empfänger genausoviel kosten, wie heute ein gutes UKW-RDS-Autoradio
Technik-Wissen: So funktioniert DAB
Die DAB-Technik beruht im Wesentlichen auf zwei Systemen. Der Datenstrom einer CD (1.411 kbit/s) ist zu breit, um ihn unverändert über die
Radiowellen auszustrahlen. Mit dem System MPEG Layer 2 (MPEG=Moving Pictures Expert Group) werden die Informationen herausgefiltert, die das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann. Damit läßt sich ein Stereosignal
ungefähr um den Faktor 7 reduzieren, so daß man bei DIGITAL RADIO-Programmen in sehr guter Qualität mit einer Datenrate von nur 192 kbit/s auskommt.
Viele Störungen bei UKW basieren auf dem sogenannten Mehrwegeempfang. Der tritt auf, wenn einige Rundfunkwellen etwa an Bergen oder Hochhäusern reflektiert
werden und zu unterschiedlichen Zeiten an der Antenne des Empfängers eintreffen, oder wenn auf der gleichen Frequenz Signale von mehreren Sendern empfangen werden. Bei DAB setzt man zur Übertragung das Verfahren
COFDM ein (Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex).
Dabei werden die Informationen mehrerer Programme und Datendienste in einem sogenannten Multiplex ineinander verschachtelt, mit einem großen Fehlerschutz
versehen und schließlich über eine Bandbreite von 1,5 MHz auf zahlreiche 'Unterträger' verteilt, ausgestrahlt. Damit ist das System nicht nur gegen die Probleme des Mehrwegeempfangs immun; COFDM nutzt diese
unterschiedlichen Laufzeiten sogar, um das empfangene Signal noch zu verstärken. Damit ist auch der sogenannte Gleichwellenbetrieb möglich: So sind bei DAB etwa der Multiplex mit den Programmen des Bayerischen
Rundfunks und von Antenne Bayern im ganzen Bundesland auf der selben Frequenz empfangbar.
Für die Ausstrahlung von Datendiensten haben sich Industrie und Diensteanbieter auf das sogenannte MOT-Protokoll (Multimedia Object Transfer) geeinigt. Dieses
Protokoll stellt sicher, das DIGITAL RADIO-Empfänger verschiedener Hersteller alle Dienste auswerten können, und etwa eine HTML-Seite sowohl auf einem Gerät mit reinem Textdisplay als auch auf einem Empfänger mit
Farbbildschirm für Grafiken entsprechend dargestellt werden kann.
Über das MOT-Protkoll lassen sich vielfältige Dateiformate übertragen, etwa JPEG-Bilder, ASCII-Texte oder auch Java-Programme.
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